Merkwürdige Menschen

Drei Anekdoten aus der großen Stadt:

Bei meinen alten Schuhen labberte die Sohle bei jedem Schritt und nachdem ich zum zweiten Mal fast die Treppe raufgestürzt bin, wanderte ich irgendwann den Broadway Richtung Union Square hoch, auf der Suche nach einem Schuhgeschäft, zwecks neuer Beschlagung.

Weil sich in mir bei dem Überangebot an Starbucksen (das klingt nach einem vernünftigen Plural) inzwischen eine leichte Kaffeesucht breitgemacht hat (danke für die Erblast, Vadder), stoppte ich in einem Starbucks. Ein recht kleiner Laden war das, außer mir saßen zwei Leute an einem Tisch in der Ecke, minding their own business. Als ich gerade bestellen wollte (phonetisch etwa: grand-ey latt-ey) drängelte sich ein Mann an mir vorbei. Nicht aus Arroganz, eher als ob er mich gar nicht bemerkt hätte.

Weil ich nicht in Eile war nickte ich der Bariste nur zu, die dadurch merkte, dass sie ruhig den Mann bedienen konnte ohne einen Aufstand von dem weißen Typen da befürchten zu müssen. Der Drängler bestellte auch sogleich und friemelte währenddessen die quadratische Trinkgeld-Box zu sich hin, die außerhalb des Sichtfeldes der Starbucks-Kellnerin lag. Normalerweise sind diese Boxen bis auf den Schlitz oben geschlossen – aus gutem Grund wie ich nun merkte. Diese war es nicht.

Ich räusperte dem Mann leicht in den Nacken.

Er erschrak.

Der hatte mich tatsächlich gar nicht wahrgenommen, so fokussiert war er in seinem Plan, die paar Dollars aus der Trinkgeldkasse abzuziehen. Ich war mir nicht sicher, ob er nur das Geld, oder genau damit dann den Kaffee bezahlen wollte.

Er drehte sich um, starrte mich an und nuschelte plötzlich etwas von, „decision, overthink, not yet, another order“ und machte einen Schritt zur Seite. Ich bestellte, halb belustigt, halb verwirrt. Eigentlich wollte ich ihm anbieten, seinen Kaffee zu bezahlen, damit er nicht klauen muss – aber aus der Trinkgeld-Kasse zu stehlen fand ich dann doch so mies, dass ich es gelassen habe. Denn selbst (oder sogar gerade?) bei Starbucks sind die Leute auf die paar Extra-Dollar angewiesen.

Er hat es dann noch einmal versucht, ich stand inzwischen auf der anderen Seite, aber mit genauso gutem Blick auf seine Finger, die nach der Box tasteten. Doch bevor ich was sagen konnte, ging die Tür auf und vier Leute kamen rein. Damit war sein Plan endgültig gestorben, er murmelte noch was von „need a moment“ und stürmte raus.

Der Kaffeemann hatte in der Zwischenzeit zwei Iced Latte mit Erdbeer Flavor für ihn gemacht. Wer die getrunken hat, weiß ich nicht. Hoffentlich werden die nicht vom Trinkgeld abgezogen.

——

Bei einer meiner U-Bahn-Wartezeiten habe ich mich zu einem Mann gesetzt, neben dem plötzlich ein Platz frei wurde. Ich verstand schnell, warum. Er roch nach einer Mischung aus Schnaps und Bier, was um halb vier nachmittags nicht ganz der Geruch war, den ich erwartet hatte. Beim hinsetzen habe ich ihn leicht angestupst, worauf ich mich entschuldigte. Er grinste mich an, zeigte dabei viel Rachen und seine zwei Zähne (rechts und links unten), hielt mir seine knochige Hand hin – wir schlugen ein, like a bro. Darauf entstand folgendes Gespräch, das ich als Service mal übersetzt habe:

Zweizahnmann: Was liest du da?

Jonas: Forever von Pete Hamill. Ich zeige ihm das Cover. Es handelt von einem Mann, der unsterblich ist, solange er Manhattan nicht verlässt.

Z.: Das Leben ist hart. Ein hartes Leben ist das. Wo kommst du her?

Der dschörman accent scheint leicht rauszuhören zu sein.

J.: Deutschland.

Z.: Spielst du Tennis?

J. (verwirrt): Nein.

Z.: Aber du bist Schauspieler oder?

J. (etwas verwirrter): Nein. Wie kommen Sie darauf?

Z.: Du siehst aus wie ein Schauspieler. Du bist doch bestimmt hier, um Schauspieler zu werden. Gib es zu. Ich kenne auch einige Schauspieler.

Er fragte mich, ob ich Robert de Niro kenne. Weil ich damit rechnete, dass er mich jetzt nach einem Homie von ihm fragte und weil er außerdem stotterte verstand ich selbst nach zwölf Nachfragen nix. 

J.: No sorry, I don’t know him.

Frau rechts neben mir, die bislang mit Bubble Shooter beschäftigt war: U SERIOUS? ROBERT DE NIRO?

Ich verstand.

J.: Oh yes, I know him.

Z.: You germans. You play Tennis, right? Like this guy, whats his name? Beckham.

J.: Do you mean Becker?

Z.: Yes, Beckham. You are famous in Germany, right?

J.: No.

Z.: Man, you are. Can you sign this for me?

Er fängt an, in seiner Tasche rumzukramen. Ein Mann, der an der Tür lehnt, fängt an zu lachen, die Frau gegenüber schüttelt grinsend den Kopf.

J.: Man, I’m sorry, I’m not famous and I won’t be. Really.

Er hatte eine alte Serviette gefunden und suchte nun nach einem Stift. Auf mich hören wollte er nicht.

Ich zückte meinen Stift und unterschrieb seine Serviette. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so darüber gefreut hat, „Jonas Jansen“ zu lesen. Jetzt mal abgesehen von den Geiern beim SZ-Aboservice.

Dann fiel ihm auf, dass er hier genau rauswollte an der Station. Wir hatten uns bis dahin keinen Zentimeter bewegt.

Ihm zuliebe würde ich jetzt gerne berühmt werden. Und ich sollte Tennisstunden nehmen.

—————

Ich war am Wochenende in Philadelphia. Um mir die Stadt anzuschauen und um einen meiner Lieblingsmusiker live zu sehen. Auf der Suche nach dem Club, der eigentlich Sonntags zu und außerdem kein Schild hat, bin ich in eine fancy Bar hineingegangen, die der Hausnummer nach eigentlich der Club sein sollte. Es ist neun Uhr abends, ich ahne, dass die Show noch nicht beginnen konnte, habe diese Uhrzeit aber als einzige Information.

Am Tresen sitzen Frauen in bunten Cocktailkleidern, die bunte Cocktails schlürfen, rechts von mir nippt ein Mann im Sakko an dem vierten Bier, das er besser nicht mehr hätte trinken sollen und durchs violette Licht summt leichter Loungeminimalpopfunk. Ich fühle mich unglaublich fehlplaziert, muss aber selber mein Anstands-Bier bestellen durch das ich die Information gewinnen kann, dass ich nur durch die Glastür links gehen muss, und dann die Treppe hoch. Aber erst um zehn.

Links neben mir setzt sich plötzlich ein Mann hin: Weißer Hut, goldene Ringe an drei Fingern jeder Hand, goldene Armringe, goldene Kette. Dazu eine beige Hose und ein beiges Hemd. Eingefallene Gesichtszüge, die Mundwinkel nach unten gezogen. Er sieht aus, als habe man ihm nach diesem Videodreh die Verkleidung nicht abgenommen.

Er sieht schlecht, richtet er dem Barkeeper aus, der ihm daraufhin die Karte vorliest. Der Pimp nimmt Miller Lite, das billigste Bier auf der Karte.

Die Bar ist eine, in der man nicht direkt bezahlen muss, vor allem wenn man am Tresen sitzt. Wer wie ich nur ein Getränk nimmt wird bis zum Trinkgeld ohnehin komisch angeschaut. Aber nicht, wenn man güldene Ringe trägt.

Vor seinen Ringen stehen Einmachgläser mit eingelegten Kirschen drin. Der blinde Pimp nimmt eins davon, versucht den Deckel abzumachen. Es gelingt ihm nicht ganz. Beim hochheben tropft ihm dennoch die ganze klebrige Suppe über die Hände. Prüfender Blick nach links (die Cocktail-Damen sind mit ihren Wasabi-Nüssen beschäftigt). Ein Blick nach rechts (der weiße Junge schaut konzentriert auf sein eigenes Bierglas). Stellt das Einmachglas zurück, wischt sich die Finger an der Serviette ab.

Er steht auf und geht. Das Bier ist leer, keine fünf Minuten sind vergangen seit er die Schwelle überschritten hat. Dass er bezahlt hat, habe ich nicht mitbekommen.

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Reklame: Akademische Sturmtruppen

Durchtrainiert: Swat Team (Foto: MATEUS_27:24&25 auf Flickr,  CC BY-NC-SA 2.0)

Durchtrainiert: Swat Team (Foto: MATEUS_27:24&25 auf Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Damit mir nicht vorgehalten wird, ich würde nur Urlaub machen, gibt es hier mal einen Link zu einem Text:

Spezialeinheiten auf Campuspatrouille, erschienen in der Financial Times Deutschland vom  27.03.

In der Zeitung trägt der Text den Titel „Cop Chiller“ – finde ich viel besser, ist den Onlinern aber wohl nicht SEO genug.

Fun Fact, der aus Platzmangel nicht im Text steht: Die Virginia Tech hat auch ein SWAT Team – und das bereits seit 2001.


Gefangen im schwarzen Loch

Ich komme ständig zu spät. Ich unterschätze Fahrtstrecken, überschätze den Fahrplan und die Taktung und sehe Verbindungen auf meinem kleinen Offline-Subway Bildschirm wo keine sind – oder zumindest nicht, wenn ich da gerade zufällig vorbeikomme. So bin ich zum Umzugshelfen eine bequeme Stunde zu spät gekommen, peinlich, peinlich. Der Umzug hat zum Glück auch ohne mich nur zehn Minuten gedauert, das drückte mein Schuldgefühl etwas.

Zu einem Recherchetermin bin ich eine halbe Stunde zu spät erschienen, was mein Glück war, weil ich dann nur eine halbe Stunde auf meine Gesprächspartnerin warten musste, die noch „schnell“ was erledigen war. So konnte ich immerhin schon mal schreiende Kinder-Atmosphäre fürs Radio sammeln und ungestört rumschnüffeln. Gut war das.

Doch manchmal will mich die MTA, das New Yorker Subway-Unternehmen, das furchtbar furchtbare Eigenwerbung schaltet, auch einfach verarschen. So etwa am ersten wirklich schönen Abend, den ich mit meinem Buch im Central Park nach der Arbeit ausklingen lassen wollte. Pustekuchen: Die freundlich sonore Männer Frauen Roboterstimme teilte uns mit, was uns erwartet: „Skclpgjnnfjjnnjfböböööbösaksjfksfjfklskfjlkppbbüpüp“ (Frei übersetzt, denn man versteht wirklich gar nichts von den Durchsagen: „Wir können nicht weiterfahren. Da steht ein Zug vor uns. Schade“) Den Sonnenuntergang habe ich dann mit genervten New Yorkern in einem dunklen Tunnel verbracht, während rechts und links von uns die „Local“-Züge (also die Züge, die öfter halten) an unserem „Express“-Train vorbeigezogen sind. Eine Stunde lang. Aber so eine Wartezeit lässt sich natürlich prächtig nutzen.

Dafür etwa:

Reading like a Washington

Reading like a Washington

Liest gerade die Constitution auf dem Kindle

Liest gerade die Constitution auf dem Kindle

Einfacher ist das bei Leuten, die sich nicht mehr bewegen wehren können:

iLincoln oder das Foto von dem Typen, der sich unbedingt selber fotografieren musste

iLincoln oder das Foto von dem Typen, der sich unbedingt selber fotografieren musste

Doch zurück in den Schacht. In dem stand ich nämlich auch noch mal anderthalb Stunden und zwar wieder auf dem Weg zu der Recherchepartnerin vom ersten Mal. Dabei war ich extra eine Stunde früher losgefahren um ja nicht zu spät zu kommen. Hat nicht so gut funktioniert. Mein Glück: Die Eltern, die ich interviewen wollte, saßen in dem selben Zug, deshalb sind wir etwa gleichzeitig angekommen. Das Karma hat mich also nie wirklich richtig hängen lassen.

Dafür habe ich mich dann auch gestern bedankt und mein Konto der guten Taten reichlich gefüllt. Denn die Frau vor mir am ATM  verließ die Bank genervt und hinterließ mir ihre 60 Dollar. Die spuckte der Automat aus als sie längst raus war und ich meine Karte aus meiner achsopraktischen Plastikhülle rausfriemelte. Ich bin ihr natürlich hinterhergerannt (ich wollte schon immer mal mit Geldscheinen jemandem hinterherwedeln) und erreichte sie sogar noch bevor sie von der Nach-der-Arbeit-Rush-Hour-Masse verschluckt wurde. „Oh.“, sagte sie. „Thanks.“ Nunja. Beeindruckt geht anders. Aber war auch direkt an der Wall Street, die 60 Dollar kann man hier bestimmt irgendwo auch für einen Kaffee ausgeben. Peanuts. Und ich Muppet bin ihr auch noch hinterhergejagt.

Doch zurück in den Schacht: Ich hätte ja schon häufig furchtbar schlechte Laune in diesen stinkig-kalten Waggons bekommen, wäre meine Musik nicht so wahnsinnig gut und die Stationen so voller toller Sachen.

Die zwei Jungs hier zum Beispiel:

direkt Dadadaaaaaaahdödöödööööö

Etwa an jedem dritten Pfahl hängen Papierschilder mit der Aufschrift „Wet Paint“. Anscheinend bin ich in eine Zeit voller Farbkorrekturen geraten. So richtig sehen kann man das nicht, aber dafür sind ja die Schilder da. (An dieser Stelle ein Witz: Will sich eine Oma auf eine Bank setzen. Kommt ein Jogger vorbei und ruft: „Achtung, die ist frisch gestrichen.“ Die Oma versteht nicht richtig und fragt: „Wieeeeee?“ – „Grün!“ . Ha,ha,ha!)

Jedenfalls kann man mit diesen Schildern tollen Schabernack anstellen:

Everybody look at my cause I'm hanging on a pole

Everybody look at my cause I'm hanging on a pole

Fein getrollt

Fein getrollt

Wenn man also bloß fröhlich genug durch diesen U-Bahn-Wahnsinn wandelt, ist das alles halb so ätzend. Oder um es so zu sagen:

0 Robota

Nimmt das, ihr Stahlraupenroboter.


Eingeparkt

Na, wer ist denn da?

Tanzt sonst auf der Nase herum: Yoshi

Tanzt sonst auf der Nase herum: Yoshi

Mit grünen Gefährten sollte man immer raus ins Grüne. Dafür bietet sich in New York der recht bekannte Zentralpark an. Der liegt – wenig überraschend – in der Mitte Manhattans, nördlich grenzt Harlem an, im Süden liegt Midtown mit dem Rockefeller Center, Trump Building oder (wirklich direkt drangebaut): dem Plaza-Hotel. An der Ostseite reihen sich pagenbewachte reiche Haustüren auf der 5th Avenue aneinander, im Westen lebt es sich sicher aber auch nicht ganz schlecht.

Mein Mittagessen wollte ich im Park genießen, es gab Reis, baby. Mitten ins Essen quatschte mir dann eine College-Tante mit der Frage ob ich Gospel hören möchte. Fand ich zuerst super und dachte schon an Tipps für Harlem-Kirchenmusik-Besuche. Problem: Sie meinte damit einfach nur ein Bibelgespräch –  jetzt sofort im Park. Passte mir dann doch nicht so ganz, aber zumindest reichte ein freundliches „No, thanks“, um sie abzuwimmeln.

Mit im Gepäck hatte ich noch das wunderbare Buch „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson, das eine Geschichte um einen Banker, einen gefeierten Schriftsteller und seine Übersetzerin spinnt, die sich in eine Abhängigkeit manövrieren. Darin steht der schöne Satz: „Deutsche im Ausland sind das Schlimmste!“ und irgendwie passte dazu, dass ich in der Schlange für den Mittagskaffee mitten im Central Park dann zwei Bonnern dabei zuhören durfte, wie furchtbar laut und stinkig sie diese Stadt doch finden. Gerade dort, wo es ausnahmsweise mal wirklich nicht stinkt und zudem leise ist, beschweren die sich. Ich hasste mich kurz ein bisschen selber. Wurde dann aber abgelenkt von der Alzheimer-Geschichte über die Schwiegermutter des einen, von der er beim rausgehen noch erzählte.

Meine Nerven beruhigt habe ich dann wieder an der frischen Luft, mit Eins-A Phallussymbolen. Denn im Park steht der kleine, verwitterte Bruder vom Pariser (höhö) Obelisken.

Obelix

Ääh, dings hier, wie heißt er: Obelix

Der aber tatsächlich in solch einem riesigen Park, in dem alle 200 Meter ein anderes Denkmal steht, recht unscheinbar plötzlich vor einem steht. Die Aufmerksamkeits-Ablenk-Konkurrenz ist aber auch hoch:

Legen.. wait for it, and I hope you are not lactose intolerant....dairy

Legen.. wait for it, and I hope you are not lactose intolerant....dairy

Seehr schön.

Seehr schön.

Flügel/Arme ausbreiten? Kann Yoshi auch

Flügel/Arme ausbreiten? Kann Yoshi auch

Als ich die Alleen dort entlanggeschlendert bin, war es leider recht windig, fast schon zugig. Mit solchen Folgen:

Windgesicht

Windgesicht

So richtig kalt ist es dann aber doch auch nicht mehr gewesen:

Diese These steht auf dünnem Eis

Diese These steht auf dünnem Eis

Laut Wikipedia gibt es im Park insgesamt 93,5 Kilometer Fußwege. So viel habe ich an dem einen Tag dann nicht ganz geschafft, bin aber stolz darauf, ein mal vom Südende bis zum Norden durchgewandert zu sein. Dabei bin ich mehr Joggern begegnet als meine Hometown Godesberg an Einwohnern hat (unfassbar, was diese Fitness-Industrie für schreckliche Klamotten und komische Gadgets unter die Leute bringen kann), habe Kids beim Basketball, Baseball und Football spielen zugeschaut und mich vor Vogelsnipern gefürchtet. Beispiel? Bitte:

Schießt den Vogel ab

Schießt den Vogel ab

Malte hat gesagt, der Central Park hätte ihn enttäuscht, als er in New York war. Weil: Ist halt nur ein großer Park. Das stimmt wohl, aber dennoch hat er viele schöne Ecken (der Park, nicht der Malte), die versteckt hinter Hügeln mit ganz anderen Bäumen plötzlich wie einzelne Parks in diesem großen Park wirken. Parkception sozusagen. Trotzdem habe ich mir sagen lassen, dass die High Line wohl noch ein Stückchen netter sein soll. Dort läuft man auf alten Bahnschienen durch einen Park. Da muss ich aber noch hin.

Bei John Lennon war ich übrigens noch nicht. Denn mir fehlte der passende Soundtrack. Hole ich noch nach.

Harlem: Stoned

Harlem: Stoned

Wie viele schnulzige Mädchenkomödiendarsteller da wohl schon durchgelaufen sind?

Wie viele schnulzige Mädchenkomödiendarsteller da wohl schon durchgelaufen sind?

Auch ein Yoshi muss rasten

Auch ein Yoshi muss rasten

Wetter: war so meh!

Wetter: war so meh!

Einen treuen Reisebegleiter musste ich leider ziehen lassen. Mario wollte unbedingt die Prinzessin suchen. Plötzlich war er weg, zuletzt wurde er hier gesehen:

Lieber Pilze statt Äpfel

Lieber Pilze statt Äpfel

Ich habe natürlich schon einen Suchtrupp losgeschickt.


Internet > Verstand

Da war dieser Typ mit der blauen Mütze und der GoPro Kamera darauf. Schlenderte mir Ende Februar auf der Brooklyn Bridge entgegen und ich dachte so: „Geile Idee!“ Zu mehr Gehirnleistung war ich aufgrund von beeindruckenden Brückeneindrücken nicht fähig, und sollte diese Begegnung unter hättemanjaauchmalmachenkönnen im Hirnordner „Ideen, die andere hatten“ abspeichern.

Doch das Internet wollte mich unbedingt daran erinnern, wie großartig es ist. Also noch mehr kann als Zugverspätungen toll darstellen, ugandische Kriegsverbrecher vom Social-Media-Schaukelstuhl aus zu jagen oder einfach ein Quell endloser Sinnlosigkeit Großartigkeit zu sein. Im Zerstreuungsmodus bin ich bei langweiledich.net auf den Blog von Sumit gestoßen, der gerade in New York feiert  lebt und das in Wort und Bild zusammenfasst.

Das verbrückte: Das ist der Kerl von der Brücke!

Noch etwas toller als dieser Beweis, dass man auch in einer Stadt mit grob geschätzt zig fantastrillionen Einwohnern und Touristen jemanden wiedertreffen kann, den man eigentlich nur im Vorbeigehen kurz wahrgenommen hat: Chinesisches All-you-can-eat mit Sumit und Freunden von ihm. Klargemacht innerhalb von ein paar Minuten.

ohwhataworld.



New York City Bolz

Ich habe mit Alain Sutter, dem Schlagzeuger von den Roots und einem mexikanischen Doug Heffernan Fussball gespielt. Und noch etwa 25 anderen bunt gekleideten Menschen zwischen 17 und 40, deren einzige Gemeinsamkeit vermutlich der sonntägliche Bolzplatzbesuch ist. Toll.

Sutter trug ein altes Trikot vom AC Florenz, dazu Barcelona Stulpen und ein Haarband. El Dougo trug ein Bettlaken, das sich als Football-Trikot tarnte. Aber es war unfassbar, wie dieser runde Mensch mit seiner Fußspitze den Ball jedes Mal übers gesamte Spielfeld genau zum Mitspieler dreschen konnte.

Eigentlich hatte ich bloß vor, joggen zu gehen. Hochmotiviert mit Laufmusik und GPS-Tracker gestartet, bin ich dann nach etwa 1,5 Kilometern so richtig abgekackt. Abendessen und Frühstück waren ausgefallen, deshalb lag meine Kraft – würde man sie mit diesen Prolloboxautomaten auf der Soester Kirmes messen – irgendwo zwischen Gänseblümchen und nassem Papierflieger. Also musste Stärkung her: Im Bagelladen, mit einem Chicken Salad.

Wenn man sich auf einen frischen Salat freut, ist ein labbriger Toast dann leicht überraschend (Symbolbild). Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Bestell-Ergebnis auf meine undeutliche Aussprache zurückgeführt, und habe aus Höflichkeit nichts gesagt. Inzwischen weiß ich, dass Chicken Salad ein Sandwich mit Hühnchenpampe ist. Vielleicht hätte mich die Frage nach dem gewünschten Brot schon misstrauisch machen sollen, stattdessen habe ich das für einen klasse Service gehalten. Nunja. So ist mir eine peinliche Diskussion erspart geblieben und im Nachhinein die Erkenntnis: Man scheint mich zu verstehen. Ich weiss nur nicht, was ich bestelle.

Sandwichgedopt bin ich dann zum Fort Greene geschlendert, einem Park in der Nähe meiner Wohnung. Der ist schöner, als der Blick auf das „Fussballfeld“ vermuten lässt.

Schotterschock

Schotterschock

Mitspielen geht leicht. Anschleichen, zögern, fragen, freuen, aufs Feld rennen, auf dem Feld umherrennen. Die Aufstellung würde ein alter Trainerfuchs vermutlich als Hühnerstalltaktik bezeichnen, aber anders als vom selbstbewussten Westeuropäer vermutet, konnten da doch einige ziemlich gut Fussball spielen. Das lag aber vermutlich daran, dass dort nicht die klassischen Amerikaner mitgespielt haben, sondern Latinos, Asiaten und Afrikaner (ja, die Afroamerikaner haben nämlich 200 Meter weiter Basketball gespielt). Und Alain Sutter.

Wo die ganzen Weißen spielen habe ich ein paar Tage später festgestellt, als in Williamsburg mal wieder mottengleich vom Flutlicht angezogen wurde und plötzlich auf astreinem Kunstrasen stand. Da haben die ganzen College- und University-Boys gespielt, mit gleichfarbigen T-Shirts und Fussballschuhen. Besser waren die aber nicht.

Und die Zuschauer da waren auch nicht so lässig wie die in Brooklyn:

zukünftige Soccer-Mom

zukünftige Soccer-Mom

Leider musste ich dann feststellen, dass der Toast nicht reicht als Kraftfutter: In den ersten fünf Minuten bin ich drei Mal fast hingefallen, was nur halb am uneben Boden gelegen hat. Meine Körperkontrolle lag etwa auf belgischem Niveau – nur ohne den Alkohol. Im Deli habe ich mir dann zwei Flaschen Vitamin Water geholt, Geschmacksrichtung Orange und Zitrone. Was auch immer für Drogen da drin sind, danach konnte ich rennen wie ein KS-Ackermann kurz nach dem entscheidenden Elfmeter.

Tolle Spielszenen gibt es leider nicht zu berichten. Ich selbst bin blass geblieben, wie ein genialer Astrophysiker, der das Schwert von Azeroth jagt. Interessant war noch die Kommunikation: Denn die Sprache auf dem Platz folgte dem internationalen Code: Hauptsache laut. Den Rest regeln Spitznamen: der Mann im Chelsea-Trikot war „English“, der Abwehrspieler, der allzulässig aufs Feld schlenderte hieß schnell „Pockets“. Mit „German“ konnte ich da noch ganz zufrieden sein.

Statistik:

Torschüsse: 1

Tore: 0

verhinderte Tore: 3

Fast-Gesichtsbremser: 3

El Dougo getunnelt: 1

So langsam muss ich mal von diesem ganzen Europäer-Sport wegkommen. Auf meinem persönlichen Plan steht noch Basketball im Madison Square Garden, auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich die unverschämten Preise für ein Knicks-Spiel bezahlen soll. Damn you, Linsanity! Für Baseball soll es ganz gut aussehen. Zumindest wenn ich meinem Tippgeber glauben darf: „Go to the Mets. They are cheap. Because they suck.“ 


Überall, wo´s blinkt und leuchtet

In einer Scrubs-Folge will J.D. einen tollen Witz mit einer Motte erzählen. Das gelingt ihm ungefähr so gut, wie mir dieser Texteinstieg. Aber seht selbst:

direkt Motten lieben Licht

Ich bin jedenfalls auch etwas Motte. Deshalb bin ich nach dem Brooklyn-Spaziergang auch noch nach Chinatown gelaufen. Wenn man sich in so eine fremde Welt mitten in einer fremden Welt begibt, ist es nicht ungewöhnlich, dass kleine, grüne Soldaten auftauchen. Oder?

Small Soldier ruht sich aus

Chinatown verdient das Wort Stadt im Namen. Etwa 100 000 Chinesen wohnen in diesem Stadtbereich, der zu Manhattan gehört. Irgendwann war in der gleichen Ecke auch mal Little Italy, aber anscheinend haben die Chinesen eine Menge aufgekauft und sich so ausgebreitet, dass aus Littly Italy nun eher ein Little San Marino geworden ist. (Halt dich zurück, Mario!)

Aber es blinkt ja so schön.

In Chinatown ist bis auf ein paar wenige Fastfood-Läden fast alles chinesisch. In den Banken arbeiten Wu, Han und Li, nebenan gibt es chinesische Imbisse oder kleine Lebensmittelläden, die von Obst bis Süßigkeiten ungefähr alles im Sortiment haben, was das Schiff aus Shanghai an Bord nehmen konnte.

Bei manchen Geschäften bin ich aber eher skeptisch, ob dort tatsächlich Tiere oder doch Wettschuldner gehäutet wurden.

Zum Glück hat´s Kacheln

Zum Glück hat´s Kacheln

Nein: Natürlich ist das eine Metzgerei und natürlich wird da auch ganz vorschriftsmäßig geschlachtet. Zumindest wurden im gleichen Laden auch ganz vorschriftsmäßig irgendwelche Holzplatten geschliffen. Ob für einen Umbau oder Särge lasse ich mal offen.

Für Fische gibt es übrigens bestimmt auch nettere Orte als die Supermarktfenster in Chinatown:

Smells like team spirit

Smells like team spirit

Aber die Häuser sind super.

Es ist rot

Es ist rot

Und die Geschäfte sind ja irgendwie auch toll. Mario findet es super. High Five:

Werd erwachsen, Mario!

Werd erwachsen, Mario!

Nach so viel Rotlicht braucht eine anständige Motte natürlich erstmal Entspannung. Und wo holt man sich Entspannung und trotzdem viel Licht? Richtig, am Rockefeller-Center.

Dort leuchtet zwar kein Weihnachtsbaum mehr, aber immerhin strahlen rund um die Eisbahn noch genügend Lichter um ein bisschen Kevin-allein-in-New-York Gefühl zu wecken. Obwohl durch meinen Kopf in Endlosschleife das hier gerauscht ist:

Direkt DAH!

Und das sieht ja wirklich so aus:

Und wo sitzt jetzt Jack Donaghy?

Und wo sitzt jetzt Jack Donaghy?

Ich bin da jedenfalls etwas rumgeirrt, bin durch Katakomben geschlichen, auf den Turm draufgefahren (25 Dollar, so expensive) und schlussendlich doch an der Eisfläche angekommen. Darauf tummelten sich viele Touristen, aber auch einige Eishockey-Spieler, die sich darüber freuten, mit ihren dicken Schlittschuhen die Kinder zu erschrecken.

Iceyeis. Darauf: Nicht nur Absolute Beginner

Iceyeis. Darauf: Nicht nur Absolute Beginner

Zwischen all diesem Gewusel passierte dann plötzlich das:

direkt Eistanz: Level Asian

Der Mann trug einen langen, grauen Mantel, ein beiges Barett und eine Sonnenbrille. Ich schätze ihn auf etwa 60 Jahre. Das war einfach mal noch ein bisschen besser als der Blick vom Rockefeller Center auf die Stadt.

Obwohl der auch ganz nett war:

Blinkestadt

Ende der Fahnenstange!

Ohne geht es ja nicht: Das Empire State Building,links, farblich patriotisiert

Ein guter Ort übrigens, um das hier zu hören:

direkt den Frank

Wenn man so entspannt ist – und das war ich nach diesem Wolkenkratzer-Besuch – braucht man wieder blinkende Lichter. Also auf zum Times Square. Da war ich vorher schon ein paar Mal, irgendwie kann man da immer vorbeigehen und sieht irgendwelche lustigen Sachen.

Elmo etwa:

Elmotastisch!

Ich bin dann noch in den M&Ms Store reingestolpert, weil ich wissen wollte, welche Sorten es in den USA denn gibt. Und außerdem geht Schokolade immer! Dieser Laden ist jedoch ein riesiger Marketingquatschstore, in dem man von T-Shirts bis Stickern jeden möglichen Quatsch mit diesen ewig grinsenden Schokolinsen drauf für teure Dollars kaufen kann.

Sowas gibt es da etwa:

Jesses!

Such den Jesus. Toll, bzw. doof.

Ich war also mittel bis vollkommen genervt von diesem Laden, als ich das entdeckte:

HMMs

vielevielebunteSmarties. Nicht.

noM&noMs

Dafür kosten die Dinger aber auch ein halbes Vermögen. Was den durchschnittlichen, leicht adipösen Touristen nicht davon abhält, sich die Tüten vollzustopfen mit allen möglichen Farben. Die Sorten sind gar nicht soooo fantastisch: Es gibt Schoko, dunkle Schokolade, Minz (??) und Brezel (????). Die Crisp-Sorte aus Deutschland habe ich hier noch nicht gefunden.

Ein klitzekleines bisschen musste ich mir aber dann aber auch abwiegen. Die Frau an der Kasse sagte ganz überrascht, dass ich der erste Kunde sei, der keine von den M&Ms-Tüten haben wollte. Ha! Ich Individualist.

Meine Individualität habe ich dann draußen mit ungefähr 1000000 anderen Menschen noch ein bisschen gefeiert. Und bestimmt bin ich auch der Einzige gewesen, der so ein Foto gemacht hat:

Doppelt gut: Its Jess!

Fazit: Nach so viel bunten Blinkekram müsste ich jetzt eigentlich „The Artist“ schauen.