Monatsarchiv: Februar 2012

Warum Subway in New York City so erfolgreich ist

Einfache Antwort: Weil jeder damit fährt. (Umad?) Die U-Bahn ist das billigste Verkehrsmittel, wenn man nicht mit dem Fahrrad quer durch die Stadt eiern möchte.

Es gibt zwar kaum Anzeigetafeln, aber tagsüber kommt eigentlich immer alle paar Minuten einer dieser silbernen Todeswürmer angerauscht. Selbst bei meiner schrottigen Anbindung kommen relativ viele G-Trains (besonders viele Hip-Hopper habe ich darin zwar nicht gesehen. Aber immerhin passt der Ort.)

Und falsche Ausgänge und Richtungen habe ich auch nur am Anfang in den U-Bahn-Stationen genommen. Natürlich bevor ich das Unendlichfahrticket hatte. Und so manchen Irrweg einzeln bezahlt habe.

Mein Freund Gibbi hat seine Faszination für die New Yorker U-Bahn neulich so ausdrückt: „Wie alle einen nicht angucken“. Dieser Satz ist nicht nur irgendwie toll, sondern er stimmt auch. Nirgendwo sonst sind die New Yorker so damit beschäftigt, wegzublicken. Die meisten schauen auf ihr Handy, lesen ein Buch oder auf dem iPad oder Kindle. Das Amazon-Gerät scheint zumindest in NYC viele Kunden angesprochen zu haben. Einen ganz besonderen Charme versprühen die Fahrer der U-Bahnen. Die zu verstehen ist nämlich vollkommen unmöglich. Es sei denn, man ist ein richtiger New Yorker (zweites Video anklicken).

Der Reserviertheit zum Trotz: In der U-Bahn können einem tolle Sachen passieren. Das hier zum Beispiel:

direkt dooodooodudududu

Oder das:

direkt sich mit Sox-Mütze über Ukulele-Rap freuen

Ich habe leider bisher nur Verrückte getroffen, die irgendwas gebrüllt haben (Weltuntergang, Gott, Geld) oder Kids, die Süßigkeiten zu marktunüblichen Preisen verticken wollten. Und natürlich ihn hier:

Dieser Zwei-Meter Mann hat sich tatsächlich die ganze Zeit Comic-Sans-Überschriften auf seinem Ipad angeschaut. Und alle so: WTF

Dieser Zwei-Meter Mann hat sich tatsächlich die ganze Zeit Comic-Sans-Überschriften auf seinem Ipad angeschaut. Und alle so: WTF

Meinen persönlichen Woooah-Moment hatte ich aber, als ich mit Square 1 von Paule auf den Ohren durchs Gegänge gebounced bin und ein Trommler abersowasvongenauimtakt dazu auf seine Bongos geschlagen hat. Der hat sich gewundert, als ich ihm auf dafür drei Dollar in seine Mütze geschmissen habe.

Der hatte es aber mehr als verdient: Aber vielleicht bin ich anfangs etwas nachsichtig mit meinen Dollarscheinen gewesen. So etwa 18 Dollar habe ich in den ersten drei Tagen einzeln unter die Leute gebracht. Die 1$-Scheine trage ich nämlich lose in der Tasche – und entweder bin ich wirklich vielen Bedürftigen begegnet, oder ihre Geschichten haben gerade einfach gut zu meiner Gutgläubigkeit gepasst. Die tollen Momente sind eher entstanden, wenn ich wirklich von mir aus was gegeben habe: Erst durch den sehr bärtigen, sehr zahn- sowie obdachlosen Mann ist mir aufgefallen, dass sich der King of Rock in meiner Levis-Tasche versteckt hat. Knallertyp.

Die Tasche hatte ich kurz vorher mit Hosen gefüllt. So cheap!

Die drei Jeans waren zwar bitter nötig, aber ich würde bestimmt auch ein gutes Konsumopfer abgeben, wenn ich genug Geld hätte. Aber wer kann es mir bei solchen Werbungen auch übel nehmen:

Wahnsinns-Whiskey-Werbung

Wahnsinns-Whiskey-Werbung

Und wie man sich alles leisten kann, weiß die U-Bahn auch: Mit Lotto.

Yeah, that kind of rich.

Yeah, that kind of rich.

Die Sandwichkette Subway ist übrigens auch erfolgreich in den USA: Bereits seit 2002 gibt es hier mehr belegte Läden als McDonalds-Filialen. Seit kurzem sogar weltweit. Nur in Deutschland läuft das Geschäft aber immer noch nicht so richtig. Ihr habt aber auch blödes Brot, Ätsch.


Me, I’m out that Bed-Stuy, home of that boy Biggie

Jay-Z und Kanye flanieren zwar inzwischen durch Paris, doch der Jigga will nicht vergessen haben, wo er herkommt. Aus Bed-Stuy nämlich, dem District, in dem ich gerade wohne. Und irgendwie passt es ja, dass Mos Def, der aktuell den Hip Hop wieder vom Thron auf den Boden zurückgeholt hat, auch hier her kommt.

Genauso wie Notorious BIG, Masta Ace, Ol´Dirty Bastard, GZA oder Aaliyah. Soll heißen: Ich laufe hier jeden Tag durch eine der Orte, in dem Hip Hop aufgewachsen ist. Richtig: Woooaaaah!

Blick auf mein Fenster und die Feuertreppen

Blick auf meine Wohnung und die Feuertreppen

Bed-Stuy, wie Bedford-Stuyvesant kurz genannt wird, war schon immer ein von Schwarzen geprägtes Viertel. Früher war alles schlechter: Die Arbeitslosigkeit war riesig, die Armut groß. In den 60er-Jahren demonstrierte die arme Bevölkerung auch mit Gewalt gegen die Polizei, nachdem ein NYPD-Officer einen schwarzen Jugendlichen erschossen hatte. Nirgendwo sonst in der Stadt wurden so viele Menschen wegen Drogendelikten verhaftet. Mit Kennedy (Robert F.!) kam der War on Poverty  nach Bed-Stuy, später dann die Gentrifizierung. Nicht so stark wie in dem nördlicheren Szeneviertel Williamsburg, wo heute fast nur noch weiße Hipster sich von Café zu Kneipe brunchen. Aber die Bevölkerung durchmischte sich.

Trotzdem wohnen in meiner Umgebung noch einige der ärmsten Menschen der Stadt. Sie leben in großen Häuserblocks, zwischen denen sich die Kids Abends auf Spielplätzen treffen und auf dem Basketballplatz ausgemacht wird, wer das Sagen hat. Klingt gefährlich, ist aber herzlich. Sicher gibt es hier Ecken, die man gerade nachts meiden sollte – aber gleichzeitig ist es schwierig, etwa in Köln so viele gut gelaunte und herzliche Menschen zu treffen.

In den Delis, den Supermärkten, die es hier an jeder Straßenecke gibt, kauft eigentlich kaum einer was, ohne sich mit den Jungs hinter der Theke zu unterhalten. Die sind wiederum total freundlich und höflich. Und das kommt nicht nur aus dem Wunsch nach einem guten Trinkgeld. Die freuen sich einfach, wenn man da was kauft.

In meiner und den Nebenstraßen wohnen hauptsächlich orthodoxe Juden, die hier alle möglichen Läden betreiben: Autoreparaturen, Elektroläden und Geschäfte, in denen sich nachts Männer mit Kippa, Hut oder sogar Schtreimel neugierig Disc-Men (!) und anderen Elektroschrott anschauen. Mancher knetet dabei nachdenklich seine Schläfenlocken zwischen den Fingern. Ob da auch jemand kauft, weiß ich nicht – ich habe mich jedes Mal schon beim Glotzen erwischt und bin dann weitergegangen.

Ganz toll wird hier übrigens zielgruppengerechte Kleidung verkauft: Als es neulich geregnet hat, habe ich vier Jungs gesehen, deren Regenmäntel-Kapuzen ihre großen Hüte vollkommen bedeckten. Wenn das mit dem Journalismus nichts wird, verkaufe ich sowas auch. Oder vielleicht schließe ich mich lieber den Schirm-Mexikanern in Manhattan an, die sobald ein Tropfen den Boden berührt, zu Dutzenden Schirme verkaufen, die ungefähr genau einen Regenschauer halten. So ganz entschieden habe ich mich noch nicht.

Durch meine Hood in Brooklyn bin ich bisher vor allem am Wochenende gelaufen. So sieht das dann etwa aus:

Der Name ist Programm

Der Name ist Programm

Oder so:

Breite Gehwege, mit genügend Platz für die Müllsäcke. Hundedreck sucht man vergeblich. Wenn man ihn denn sucht.

Breite Gehwege, mit genügend Platz für die Müllsäcke. Hundedreck sucht man vergeblich. Wenn man ihn denn sucht.

Und irgendwie passt der Loft, in dem ich wohne, in diese Ecke genau rein.

Nicht die Durchfahrtshöhe, nur die Hausnummer

Nicht die Durchfahrtshöhe, nur die Hausnummer

Hinaufspaziert

Hinaufspaziert

Warum der so sauer schaut, habe ich noch nicht herausgefunden

Warum der so sauer schaut, habe ich noch nicht herausgefunden

In Zürich habe ich noch nicht angerufen

In Zürich habe ich noch nicht angerufen

Zum Eingang, bitte rechts entlang

Zum Eingang, bitte rechts entlang

 Wer sich immer noch fragt, woher ihm diese Überschrift so bekannt vorkommt (Ab 0:40):


On Broadway

Zum Hauptrundgang empfiehlt der Chef folgenden Ohrenschmaus

Wie die Karte vom vergangenen Eintrag zeigt, bin ich letztlich einfach mal den Broadway vom Süden bis in den Norden abgelaufen – vom Battery Park bis zum Times Square.

Auf der Wall Street habe ich übrigens noch gesehen, wie man Müll like a Patriot-Boss abholt:

Im Battery Park haben sich dann einige Menschen geärgert, dass die Freiheitsdame gar nicht so groß ist. Besonders leid tat mir ein kleiner, rundlicher Junge mit grüner Schaumstoff-Freiheitsstatuen-Krone, der wohl damit gerechnet hat, sie in Wolkenkratzergröße zu sehen. Ist aber eher so:

"Also die Freiheitsstatue habe ich mir echt größer vorgestellt". Danke für diese Info, dickes, deutsches Kind mit grünem Plastik-Liberty-Kranz. Mit meiner Handykamera sieht die Dame aber tatsächlich noch was kleiner aus.

Durch Handykamera und Perspektive möwengleich: Die Freiheitsstatue

Ganz unbeeindruckt vom Gewimmel zeigten sich übrigens die Möwen Möven  Meuwen:

"Einwandererdenkmal? Da scheiß ich drauf!"

"Einwandererdenkmal? Da scheiß ich drauf!"

Etwas weiter nördlich am Broadway bin ich an den letzten Occupy-Besetzern vorbeigekommen, die noch in Lower Manhattan sind. Der besetzte Zuccotti Park wurde schon vor Monaten von der Polizei geräumt, der Protest hat sich in der Stadt verteilt. So wie er sich inzwischen auch im gesamten Land eher lose organisiert. Aktionen starten sie trotzdem immer wieder, vielleicht schaffe ich es ja, mir eine anzusehen.  Als ich vorbeikam, standen am ehemaligen Liberty Plaza Park nur noch zwei Männer: Der eine trug einen Ganzkörperanzug mit Guy Fawkes Anonymous-Maske, und ein Schild mit der Aufschrift: „We won´t leave“ Auf dem Schild des anderen stand: „Get a (blow)-job. Sie haben sich gestritten. Das muss ärgerlich sein, wenn man ohnehin der letzte ist, der dort steht – und dann wird man auch noch getrollt. Und dann auch noch so lieblos. Meistens ist sowas ja wenigstens ganz lustig.

Ich habe dann aber feststellen dürfen, dass es auch zwischen den ganzen Hochhäusern noch andere Fotomotive gibt:

Aber so ein ordentliches Riesenmonstrum darf hier natürlich nicht fehlen. Huihuihui:

Hohes Haus ist hoch

Hohes Haus ist hoch

Noch schöner sehen solche Gebäude übrigens aus, wenn die Sonne drauf scheint:

Das Empire State Building versucht sich zu verstecken. Es gelingt nicht ganz.

Das Empire State Building versucht sich zu verstecken. Es gelingt nicht ganz.

Wär vermutlich ein optimaler Zeitfahrer: Flat Iron Building

Wär vermutlich ein optimaler Zeitfahrer: Flat Iron Building

Vom wunderbaren Herm habe ich übrigens die Idee, mir einen Reisebegleiter zu suchen. Er drückte das bei einem eigenen New-York-Besuch so aus:

 Ich kann das ja immer verstehen wenn Leute in ihrem Urlaub, zum Beispiel in New York, total begeistert sind, alle möglichen Hochhäuser fotografieren und dies dann mit der Welt teilen. Nach Bild 3 finde ich das dann aber meist eher öde, außer man war halt schonmal dort. Daher die Idee der Urlaubsfotoveredlung.

Und wer könnte mich hier besser beschützen begleiten als Feuer-Mario? Eingeschleimt habe ich mich bei ihm, in dem ich ihn erstmal gerettet habe. Fand er gut, das sieht man an der ausgestreckten Bro-Fist:

Rooar.

Das nur als kleiner Vorgeschmack. Mehr folgt. Ein positiver Nebeneffekt: Viele Leute, die mich mit Mario sehen, finden es total geil. Und brüllen mir ein gepflegtes Awesome entgegen. Nur die zwei konnte ich wohl irgendwie nicht überzeugen.

Meh-rio

Meh-rio


Tourimodus aktiviert

Ich habe immer gedacht, ich hätte einen guten Orientierungssinn. Dass ich mich ausgerechnet in einer Stadt voller schachbrettartiger Straßen so richtig verwusele, ist in der Konsequenz nur logisch.

So sah das am Ende meines ersten Tages aus:

So in klein geht es sogar halbwegs. Aber bloß nicht ranzoomen.

Ich bin durch Brooklyn gewandert. Eigentlich wollte ich nach Osten Westen, musste dann aber mit meiner Offline-Karten-App feststellen, dass ich in den Süden des Stadtteils gestromert bin. Losgelaufen bin ich natürlich in der Überzeugung, alles mit meinem integrierten Navi zu finden.

Dafür habe ich meine Hood kennengelernt (Die ich später noch ausführlicher würdigen werde). So bin ich etwa an alten Wahlkampfzentren vorbei gekommen. Change ist dort aber wohl nicht richtig angekommen:

Ich bin auch durch die Library geschlendert, weil bei diesem Portal mindestens mit pharaonengleichen Bibliothekaren mit abgebrochenen Nasen gerechnet habe:

Gold und Säulen wecken den Asterix in mir. Innen war sie aber leider recht unspektakulär. Es gab Bücher. Aber die standen in genauso langweiligen Regalen wie bei uns. Und statt Anubis und Osiris warteten höchstens Ann und Otis da drinnen auf Kundschaft.

Vor der Bibliothek habe ich mir dann bei einem Wochenmarkt mein Mittagessen geholt. Zwei Äpfel. Garantiert organic, sagte mir der Verkäufer. Das ist was besonderes, denn Gentechnik gehört hier eigentlich zum Essen dazu. Die waren also Bio – auch wenn das in den Staaten nicht so viel heißt: So streiten sich gerade in New York vor Gericht etwa 300 000 Farmer mit Monsanto, weil ihre Öko-Saat durch gentechnisch veränderte Pollen verunreinigt wurde. Gleichzeitig befürchten diese Bauern aber, von Monsanto wegen Patentrechtsverletzung verklagt zu werden: Denn sie verkaufen schließlich in gewisser Weise dann Monsanto Äpfel.

Geklärt werden soll das ganze Ende März, doch bestimmt ist schon die nächste Krise im Anzug.

A propos:

Danach habe ich mich das erste Mal ins Finanzzentrum gewagt. Am Wochenende läuft man an der Wall Street aber wirklich nur Touristen über den Weg. Die fotografieren dann beige, stuckverzierte Häuser, vor denen grimmige Wachmänner darauf achten, dass auch keiner die heiligen Gemächer von /hierbeliebigesFinanzinstituteinsetzen/ betritt. Die New York Stock Exchange, die größte Börse der Welt, ist übrigens seit 9/11 nicht mehr für Besucher geöffnet.

Vollkommen planlos bin ich dann einfach nur den Broadway hinaufgeschlendert, ich bin ständig gestolpert, weil sich die Gitter und Hubbel nicht mit meiner offenmundig-hochnasigen-stauneblick-Fortbewegung durch die Hochhäuser und seine Schluchten vertragen hat.

Der Dreizehnjährige in meinem Kleinhirn war aber hellwach. Ding-Dong: 

So long. Sincerely, Your Johnson.


Abgeflogen:Angekommen (Eine Retrospektive)

Jeden halbwegs politischen Menschen sollte es alarmieren, wenn man auf einem Interkontinentalflug plötzlich ohne sein gewohntes Staatsoberhaupt unterwegs ist. Nicht, dass der Präsident immer dabei sein sollte. Aber zu wissen, dass ein Bundesratspräsident Bundespräsident Kommissar Seehofer jeden Moment den Befehl geben könnte, die 767 von Frankfurt nach Jersey, Abflug 11:05, abzuschießen, lässt noch mehr zu wünschen übrig, als jede gute Fee. Diesem Mann traue ich alles zu.

Zum Glück konnte ich nur ahnen, dass der gute Christian das gesunkene Schiff verlässt, als die Anschnallgurtzeichen längst leuchteten, ich vorschriftsmäßig den Airplane-Modus im Handy eingeschaltet, und der sympathische Russe vor mir trotz Verbots bereits seinen Sitz nach hinten geklappt hatte. Und ohne eindeutige Quellenlage glaubt ein Journalist schließlich alles solange es zur These passt nichts: Deshalb war ich unwissend vollkommen beruhigt – obwohl mein Präsident am Karnevalsfreitag bereits seinen persönlichen politischen Aschermittwoch feierte.

Nun, da ich jeden zufälligen Leser vertrieben haben sollte, zu den Fakten:

Der Flug dauerte achteinhalbstunden. Circa achteinhalbstunden davon hatte mein Vorsitzer seine Rückenlehne theoretisch auf meinen Knien geparkt. Doch ich sollte Glück haben: Die von mir bereits erwartete rumänische Frauenkugelstoßergruppe sollte ihren Zug vom Schweißtraining in Idar-Oberstein nicht mehr erreichen, weshalb ich eine ganze Sitzreihe für mich alleine hatte. Deshalb konnte ich in  die Mitte wechseln. Ich habe Drive geschaut. Und über Sheldon gelacht. Und mich über die ersten zwei Folgen vom amerikanischen „The Office“ geärgert, weil ich mir mehr Ricky Gervais-Einfluss davon erhofft hatte.

Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass die Amerikaner anscheinend ganze Kakao-Seen angebaut haben. Diese Füchse:

Einmal angekommen habe ich mich zum Glück nur eine halbe Stunde neben maulende deutsche Backpack-Rentner stellen müssen, denen die 6000-Personen Schlange in der Landehalle von New Jersey nicht gepasst hat. Relativ schnell ging auch die Kontrolle, obwohl ich einige Fragen beantworten musste, warum ich denn so lange bleibe. Natürlich konnte ich den Kontrolleur wahrheitsgemäß davon überzeugen, dass ich mir Harvard, Brown und Princeton für ein Aufbaustudium unbedingt aus der Nähe anschauen muss.

Nach New York City kommt man von Jersey übrigens relativ einfach mit dem Air Train. Der fliegt leider nicht, bringt einen aber schwebebahngleich zu einem relativ normalen Zug, in dem bärtige Schaffner mit überdimensionalen Mützen fröhlich mein Ticket mopsen um es innerhalb von einer Sekunde zu zerreissen. Ich weiss bis heute nicht, wo ich mit diesem Kärtchen hätte hinfahren können, wenn der Schaffner es mir nicht entwendet hätte. Vermutlich bis ins Oval Office.

Statt nach Washington ruckelte der Zug zunächst aber durch Industrievororte, von der berüchtigten Skyline der schlaflosen Stadt hatte ich bis dahin nur aus dem Flugzeugfenster einen Hauch erahnen können. Das machte jedoch das Überraschungsmoment umso größer, als ich mit meinem Koffer aus der Ubahn stolperte und mitten in Midtown Manhattan stand. Von der Station direkt neben dem Madison Square Garden habe ich dem Moment kaum etwas wahrgenommen, was aber auch an dem sehr deutschen, sehr jungen Pärchen lag, was mich direkt um ein Foto gebeten hat. Gefragt, getan, gestaunt. Nicht über das Pärchen, sondern über die Häuserschluchten, die sich links, rechts, vor und hinter mir auftaten. Verstanden habe ich das alles in diesem Moment nicht: Vielleicht lag es an meiner Müdigkeit, vielleicht am schweren Koffer – so richtig gefreut habe ich mich darüber gar nicht. Ich fühlte mich überfordert und versuchte zur Ablenkung ein Taxi anzuhalten. Bis mich einer nach Brooklyn fahren wollte (it´s the law) hat es aber eine Weile gedauert.

Doch auch hier: Verwirrung. Mein Fahrer hupte mehr als das er fuhr, die Auffahrt zur Brooklyn Bridge nahm er mit solchem Schwung, dass mein Kopf die Decke knutschte – es fühlte sich alles an, wie in einem Traum.

Mit einigen Umwegen habe ich mein Ziel dann aber erreicht:

Nicht ganz eine Stunde, nachdem ich meinen Koffer ausgepackt hatte, habe ich schon geschlafen. Und erst als ich aufwachte, bemerkte ich richtig, dass das alles kein Traum ist. Sondern bloß: traumhaft.