Tourimodus aktiviert

Ich habe immer gedacht, ich hätte einen guten Orientierungssinn. Dass ich mich ausgerechnet in einer Stadt voller schachbrettartiger Straßen so richtig verwusele, ist in der Konsequenz nur logisch.

So sah das am Ende meines ersten Tages aus:

So in klein geht es sogar halbwegs. Aber bloß nicht ranzoomen.

Ich bin durch Brooklyn gewandert. Eigentlich wollte ich nach Osten Westen, musste dann aber mit meiner Offline-Karten-App feststellen, dass ich in den Süden des Stadtteils gestromert bin. Losgelaufen bin ich natürlich in der Überzeugung, alles mit meinem integrierten Navi zu finden.

Dafür habe ich meine Hood kennengelernt (Die ich später noch ausführlicher würdigen werde). So bin ich etwa an alten Wahlkampfzentren vorbei gekommen. Change ist dort aber wohl nicht richtig angekommen:

Ich bin auch durch die Library geschlendert, weil bei diesem Portal mindestens mit pharaonengleichen Bibliothekaren mit abgebrochenen Nasen gerechnet habe:

Gold und Säulen wecken den Asterix in mir. Innen war sie aber leider recht unspektakulär. Es gab Bücher. Aber die standen in genauso langweiligen Regalen wie bei uns. Und statt Anubis und Osiris warteten höchstens Ann und Otis da drinnen auf Kundschaft.

Vor der Bibliothek habe ich mir dann bei einem Wochenmarkt mein Mittagessen geholt. Zwei Äpfel. Garantiert organic, sagte mir der Verkäufer. Das ist was besonderes, denn Gentechnik gehört hier eigentlich zum Essen dazu. Die waren also Bio – auch wenn das in den Staaten nicht so viel heißt: So streiten sich gerade in New York vor Gericht etwa 300 000 Farmer mit Monsanto, weil ihre Öko-Saat durch gentechnisch veränderte Pollen verunreinigt wurde. Gleichzeitig befürchten diese Bauern aber, von Monsanto wegen Patentrechtsverletzung verklagt zu werden: Denn sie verkaufen schließlich in gewisser Weise dann Monsanto Äpfel.

Geklärt werden soll das ganze Ende März, doch bestimmt ist schon die nächste Krise im Anzug.

A propos:

Danach habe ich mich das erste Mal ins Finanzzentrum gewagt. Am Wochenende läuft man an der Wall Street aber wirklich nur Touristen über den Weg. Die fotografieren dann beige, stuckverzierte Häuser, vor denen grimmige Wachmänner darauf achten, dass auch keiner die heiligen Gemächer von /hierbeliebigesFinanzinstituteinsetzen/ betritt. Die New York Stock Exchange, die größte Börse der Welt, ist übrigens seit 9/11 nicht mehr für Besucher geöffnet.

Vollkommen planlos bin ich dann einfach nur den Broadway hinaufgeschlendert, ich bin ständig gestolpert, weil sich die Gitter und Hubbel nicht mit meiner offenmundig-hochnasigen-stauneblick-Fortbewegung durch die Hochhäuser und seine Schluchten vertragen hat.

Der Dreizehnjährige in meinem Kleinhirn war aber hellwach. Ding-Dong: 

So long. Sincerely, Your Johnson.

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3 responses to “Tourimodus aktiviert

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