Me, I’m out that Bed-Stuy, home of that boy Biggie

Jay-Z und Kanye flanieren zwar inzwischen durch Paris, doch der Jigga will nicht vergessen haben, wo er herkommt. Aus Bed-Stuy nämlich, dem District, in dem ich gerade wohne. Und irgendwie passt es ja, dass Mos Def, der aktuell den Hip Hop wieder vom Thron auf den Boden zurückgeholt hat, auch hier her kommt.

Genauso wie Notorious BIG, Masta Ace, Ol´Dirty Bastard, GZA oder Aaliyah. Soll heißen: Ich laufe hier jeden Tag durch eine der Orte, in dem Hip Hop aufgewachsen ist. Richtig: Woooaaaah!

Blick auf mein Fenster und die Feuertreppen

Blick auf meine Wohnung und die Feuertreppen

Bed-Stuy, wie Bedford-Stuyvesant kurz genannt wird, war schon immer ein von Schwarzen geprägtes Viertel. Früher war alles schlechter: Die Arbeitslosigkeit war riesig, die Armut groß. In den 60er-Jahren demonstrierte die arme Bevölkerung auch mit Gewalt gegen die Polizei, nachdem ein NYPD-Officer einen schwarzen Jugendlichen erschossen hatte. Nirgendwo sonst in der Stadt wurden so viele Menschen wegen Drogendelikten verhaftet. Mit Kennedy (Robert F.!) kam der War on Poverty  nach Bed-Stuy, später dann die Gentrifizierung. Nicht so stark wie in dem nördlicheren Szeneviertel Williamsburg, wo heute fast nur noch weiße Hipster sich von Café zu Kneipe brunchen. Aber die Bevölkerung durchmischte sich.

Trotzdem wohnen in meiner Umgebung noch einige der ärmsten Menschen der Stadt. Sie leben in großen Häuserblocks, zwischen denen sich die Kids Abends auf Spielplätzen treffen und auf dem Basketballplatz ausgemacht wird, wer das Sagen hat. Klingt gefährlich, ist aber herzlich. Sicher gibt es hier Ecken, die man gerade nachts meiden sollte – aber gleichzeitig ist es schwierig, etwa in Köln so viele gut gelaunte und herzliche Menschen zu treffen.

In den Delis, den Supermärkten, die es hier an jeder Straßenecke gibt, kauft eigentlich kaum einer was, ohne sich mit den Jungs hinter der Theke zu unterhalten. Die sind wiederum total freundlich und höflich. Und das kommt nicht nur aus dem Wunsch nach einem guten Trinkgeld. Die freuen sich einfach, wenn man da was kauft.

In meiner und den Nebenstraßen wohnen hauptsächlich orthodoxe Juden, die hier alle möglichen Läden betreiben: Autoreparaturen, Elektroläden und Geschäfte, in denen sich nachts Männer mit Kippa, Hut oder sogar Schtreimel neugierig Disc-Men (!) und anderen Elektroschrott anschauen. Mancher knetet dabei nachdenklich seine Schläfenlocken zwischen den Fingern. Ob da auch jemand kauft, weiß ich nicht – ich habe mich jedes Mal schon beim Glotzen erwischt und bin dann weitergegangen.

Ganz toll wird hier übrigens zielgruppengerechte Kleidung verkauft: Als es neulich geregnet hat, habe ich vier Jungs gesehen, deren Regenmäntel-Kapuzen ihre großen Hüte vollkommen bedeckten. Wenn das mit dem Journalismus nichts wird, verkaufe ich sowas auch. Oder vielleicht schließe ich mich lieber den Schirm-Mexikanern in Manhattan an, die sobald ein Tropfen den Boden berührt, zu Dutzenden Schirme verkaufen, die ungefähr genau einen Regenschauer halten. So ganz entschieden habe ich mich noch nicht.

Durch meine Hood in Brooklyn bin ich bisher vor allem am Wochenende gelaufen. So sieht das dann etwa aus:

Der Name ist Programm

Der Name ist Programm

Oder so:

Breite Gehwege, mit genügend Platz für die Müllsäcke. Hundedreck sucht man vergeblich. Wenn man ihn denn sucht.

Breite Gehwege, mit genügend Platz für die Müllsäcke. Hundedreck sucht man vergeblich. Wenn man ihn denn sucht.

Und irgendwie passt der Loft, in dem ich wohne, in diese Ecke genau rein.

Nicht die Durchfahrtshöhe, nur die Hausnummer

Nicht die Durchfahrtshöhe, nur die Hausnummer

Hinaufspaziert

Hinaufspaziert

Warum der so sauer schaut, habe ich noch nicht herausgefunden

Warum der so sauer schaut, habe ich noch nicht herausgefunden

In Zürich habe ich noch nicht angerufen

In Zürich habe ich noch nicht angerufen

Zum Eingang, bitte rechts entlang

Zum Eingang, bitte rechts entlang

 Wer sich immer noch fragt, woher ihm diese Überschrift so bekannt vorkommt (Ab 0:40):

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2 responses to “Me, I’m out that Bed-Stuy, home of that boy Biggie

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