New York City Bolz

Ich habe mit Alain Sutter, dem Schlagzeuger von den Roots und einem mexikanischen Doug Heffernan Fussball gespielt. Und noch etwa 25 anderen bunt gekleideten Menschen zwischen 17 und 40, deren einzige Gemeinsamkeit vermutlich der sonntägliche Bolzplatzbesuch ist. Toll.

Sutter trug ein altes Trikot vom AC Florenz, dazu Barcelona Stulpen und ein Haarband. El Dougo trug ein Bettlaken, das sich als Football-Trikot tarnte. Aber es war unfassbar, wie dieser runde Mensch mit seiner Fußspitze den Ball jedes Mal übers gesamte Spielfeld genau zum Mitspieler dreschen konnte.

Eigentlich hatte ich bloß vor, joggen zu gehen. Hochmotiviert mit Laufmusik und GPS-Tracker gestartet, bin ich dann nach etwa 1,5 Kilometern so richtig abgekackt. Abendessen und Frühstück waren ausgefallen, deshalb lag meine Kraft – würde man sie mit diesen Prolloboxautomaten auf der Soester Kirmes messen – irgendwo zwischen Gänseblümchen und nassem Papierflieger. Also musste Stärkung her: Im Bagelladen, mit einem Chicken Salad.

Wenn man sich auf einen frischen Salat freut, ist ein labbriger Toast dann leicht überraschend (Symbolbild). Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Bestell-Ergebnis auf meine undeutliche Aussprache zurückgeführt, und habe aus Höflichkeit nichts gesagt. Inzwischen weiß ich, dass Chicken Salad ein Sandwich mit Hühnchenpampe ist. Vielleicht hätte mich die Frage nach dem gewünschten Brot schon misstrauisch machen sollen, stattdessen habe ich das für einen klasse Service gehalten. Nunja. So ist mir eine peinliche Diskussion erspart geblieben und im Nachhinein die Erkenntnis: Man scheint mich zu verstehen. Ich weiss nur nicht, was ich bestelle.

Sandwichgedopt bin ich dann zum Fort Greene geschlendert, einem Park in der Nähe meiner Wohnung. Der ist schöner, als der Blick auf das „Fussballfeld“ vermuten lässt.

Schotterschock

Schotterschock

Mitspielen geht leicht. Anschleichen, zögern, fragen, freuen, aufs Feld rennen, auf dem Feld umherrennen. Die Aufstellung würde ein alter Trainerfuchs vermutlich als Hühnerstalltaktik bezeichnen, aber anders als vom selbstbewussten Westeuropäer vermutet, konnten da doch einige ziemlich gut Fussball spielen. Das lag aber vermutlich daran, dass dort nicht die klassischen Amerikaner mitgespielt haben, sondern Latinos, Asiaten und Afrikaner (ja, die Afroamerikaner haben nämlich 200 Meter weiter Basketball gespielt). Und Alain Sutter.

Wo die ganzen Weißen spielen habe ich ein paar Tage später festgestellt, als in Williamsburg mal wieder mottengleich vom Flutlicht angezogen wurde und plötzlich auf astreinem Kunstrasen stand. Da haben die ganzen College- und University-Boys gespielt, mit gleichfarbigen T-Shirts und Fussballschuhen. Besser waren die aber nicht.

Und die Zuschauer da waren auch nicht so lässig wie die in Brooklyn:

zukünftige Soccer-Mom

zukünftige Soccer-Mom

Leider musste ich dann feststellen, dass der Toast nicht reicht als Kraftfutter: In den ersten fünf Minuten bin ich drei Mal fast hingefallen, was nur halb am uneben Boden gelegen hat. Meine Körperkontrolle lag etwa auf belgischem Niveau – nur ohne den Alkohol. Im Deli habe ich mir dann zwei Flaschen Vitamin Water geholt, Geschmacksrichtung Orange und Zitrone. Was auch immer für Drogen da drin sind, danach konnte ich rennen wie ein KS-Ackermann kurz nach dem entscheidenden Elfmeter.

Tolle Spielszenen gibt es leider nicht zu berichten. Ich selbst bin blass geblieben, wie ein genialer Astrophysiker, der das Schwert von Azeroth jagt. Interessant war noch die Kommunikation: Denn die Sprache auf dem Platz folgte dem internationalen Code: Hauptsache laut. Den Rest regeln Spitznamen: der Mann im Chelsea-Trikot war „English“, der Abwehrspieler, der allzulässig aufs Feld schlenderte hieß schnell „Pockets“. Mit „German“ konnte ich da noch ganz zufrieden sein.

Statistik:

Torschüsse: 1

Tore: 0

verhinderte Tore: 3

Fast-Gesichtsbremser: 3

El Dougo getunnelt: 1

So langsam muss ich mal von diesem ganzen Europäer-Sport wegkommen. Auf meinem persönlichen Plan steht noch Basketball im Madison Square Garden, auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich die unverschämten Preise für ein Knicks-Spiel bezahlen soll. Damn you, Linsanity! Für Baseball soll es ganz gut aussehen. Zumindest wenn ich meinem Tippgeber glauben darf: „Go to the Mets. They are cheap. Because they suck.“ 

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7 responses to “New York City Bolz

  • Ranjizzle

    1st

    du musst noch an deiner Tunnel-Statistik arbeiten, immerhin bist du dschörmin 😀

  • sechswochendelhi

    Baseball? Ich dachte, du willst Sport gucken. Geh zu den Rangers, da müssten doch demnächst Playoff sein. Und die sucken nicht, im Gegenteil. (Ich will eine Mütze oder sowas)

  • vierzueinser

    Oh, Eishockey. Auch eine gute Idee. Danke, Malte.

  • Sumit

    Das Internet Dings…

    wir haben gestern für 150 Zacken Knicks Tickets fürn Madison Square Guarden geholt 😀
    Awesomeness!

  • vierzueinser

    150 Bucks? Hat man dann noch einen eigenen Bildschirm, damit man die kleinen Männchen unten auf dem Feld sehen kann? Oder sind da Connections im Spiel, die euch näher als 200 Meter an den Court ranbringen für den Preis?

  • Sumit

    ne, natürlich beschissene Seats, wahrscheins beim Hausmeister im Kämmerlein, zu trinken gibts Wasser ausm Hahn und wir dürfen zum Schluss die gebrauchten Schweishandtücher der Spieler anfassen. Wenn das keine 150 Öcken wert is weiß ich auch nicht :-/

  • Sumit

    Falls du Bock aufn Bier hast bevor du abhaust:

    hier könnte ihre Werbung stehen, aus spamschutz habe ich die Nummer mal entfernt – j.
    aber net heute! Ich hab nen Kater von gestern der is nich mehr feierlich…

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