Archiv der Kategorie: Manhattan

Eingeparkt

Na, wer ist denn da?

Tanzt sonst auf der Nase herum: Yoshi

Tanzt sonst auf der Nase herum: Yoshi

Mit grünen Gefährten sollte man immer raus ins Grüne. Dafür bietet sich in New York der recht bekannte Zentralpark an. Der liegt – wenig überraschend – in der Mitte Manhattans, nördlich grenzt Harlem an, im Süden liegt Midtown mit dem Rockefeller Center, Trump Building oder (wirklich direkt drangebaut): dem Plaza-Hotel. An der Ostseite reihen sich pagenbewachte reiche Haustüren auf der 5th Avenue aneinander, im Westen lebt es sich sicher aber auch nicht ganz schlecht.

Mein Mittagessen wollte ich im Park genießen, es gab Reis, baby. Mitten ins Essen quatschte mir dann eine College-Tante mit der Frage ob ich Gospel hören möchte. Fand ich zuerst super und dachte schon an Tipps für Harlem-Kirchenmusik-Besuche. Problem: Sie meinte damit einfach nur ein Bibelgespräch –  jetzt sofort im Park. Passte mir dann doch nicht so ganz, aber zumindest reichte ein freundliches „No, thanks“, um sie abzuwimmeln.

Mit im Gepäck hatte ich noch das wunderbare Buch „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson, das eine Geschichte um einen Banker, einen gefeierten Schriftsteller und seine Übersetzerin spinnt, die sich in eine Abhängigkeit manövrieren. Darin steht der schöne Satz: „Deutsche im Ausland sind das Schlimmste!“ und irgendwie passte dazu, dass ich in der Schlange für den Mittagskaffee mitten im Central Park dann zwei Bonnern dabei zuhören durfte, wie furchtbar laut und stinkig sie diese Stadt doch finden. Gerade dort, wo es ausnahmsweise mal wirklich nicht stinkt und zudem leise ist, beschweren die sich. Ich hasste mich kurz ein bisschen selber. Wurde dann aber abgelenkt von der Alzheimer-Geschichte über die Schwiegermutter des einen, von der er beim rausgehen noch erzählte.

Meine Nerven beruhigt habe ich dann wieder an der frischen Luft, mit Eins-A Phallussymbolen. Denn im Park steht der kleine, verwitterte Bruder vom Pariser (höhö) Obelisken.

Obelix

Ääh, dings hier, wie heißt er: Obelix

Der aber tatsächlich in solch einem riesigen Park, in dem alle 200 Meter ein anderes Denkmal steht, recht unscheinbar plötzlich vor einem steht. Die Aufmerksamkeits-Ablenk-Konkurrenz ist aber auch hoch:

Legen.. wait for it, and I hope you are not lactose intolerant....dairy

Legen.. wait for it, and I hope you are not lactose intolerant....dairy

Seehr schön.

Seehr schön.

Flügel/Arme ausbreiten? Kann Yoshi auch

Flügel/Arme ausbreiten? Kann Yoshi auch

Als ich die Alleen dort entlanggeschlendert bin, war es leider recht windig, fast schon zugig. Mit solchen Folgen:

Windgesicht

Windgesicht

So richtig kalt ist es dann aber doch auch nicht mehr gewesen:

Diese These steht auf dünnem Eis

Diese These steht auf dünnem Eis

Laut Wikipedia gibt es im Park insgesamt 93,5 Kilometer Fußwege. So viel habe ich an dem einen Tag dann nicht ganz geschafft, bin aber stolz darauf, ein mal vom Südende bis zum Norden durchgewandert zu sein. Dabei bin ich mehr Joggern begegnet als meine Hometown Godesberg an Einwohnern hat (unfassbar, was diese Fitness-Industrie für schreckliche Klamotten und komische Gadgets unter die Leute bringen kann), habe Kids beim Basketball, Baseball und Football spielen zugeschaut und mich vor Vogelsnipern gefürchtet. Beispiel? Bitte:

Schießt den Vogel ab

Schießt den Vogel ab

Malte hat gesagt, der Central Park hätte ihn enttäuscht, als er in New York war. Weil: Ist halt nur ein großer Park. Das stimmt wohl, aber dennoch hat er viele schöne Ecken (der Park, nicht der Malte), die versteckt hinter Hügeln mit ganz anderen Bäumen plötzlich wie einzelne Parks in diesem großen Park wirken. Parkception sozusagen. Trotzdem habe ich mir sagen lassen, dass die High Line wohl noch ein Stückchen netter sein soll. Dort läuft man auf alten Bahnschienen durch einen Park. Da muss ich aber noch hin.

Bei John Lennon war ich übrigens noch nicht. Denn mir fehlte der passende Soundtrack. Hole ich noch nach.

Harlem: Stoned

Harlem: Stoned

Wie viele schnulzige Mädchenkomödiendarsteller da wohl schon durchgelaufen sind?

Wie viele schnulzige Mädchenkomödiendarsteller da wohl schon durchgelaufen sind?

Auch ein Yoshi muss rasten

Auch ein Yoshi muss rasten

Wetter: war so meh!

Wetter: war so meh!

Einen treuen Reisebegleiter musste ich leider ziehen lassen. Mario wollte unbedingt die Prinzessin suchen. Plötzlich war er weg, zuletzt wurde er hier gesehen:

Lieber Pilze statt Äpfel

Lieber Pilze statt Äpfel

Ich habe natürlich schon einen Suchtrupp losgeschickt.


Überall, wo´s blinkt und leuchtet

In einer Scrubs-Folge will J.D. einen tollen Witz mit einer Motte erzählen. Das gelingt ihm ungefähr so gut, wie mir dieser Texteinstieg. Aber seht selbst:

direkt Motten lieben Licht

Ich bin jedenfalls auch etwas Motte. Deshalb bin ich nach dem Brooklyn-Spaziergang auch noch nach Chinatown gelaufen. Wenn man sich in so eine fremde Welt mitten in einer fremden Welt begibt, ist es nicht ungewöhnlich, dass kleine, grüne Soldaten auftauchen. Oder?

Small Soldier ruht sich aus

Chinatown verdient das Wort Stadt im Namen. Etwa 100 000 Chinesen wohnen in diesem Stadtbereich, der zu Manhattan gehört. Irgendwann war in der gleichen Ecke auch mal Little Italy, aber anscheinend haben die Chinesen eine Menge aufgekauft und sich so ausgebreitet, dass aus Littly Italy nun eher ein Little San Marino geworden ist. (Halt dich zurück, Mario!)

Aber es blinkt ja so schön.

In Chinatown ist bis auf ein paar wenige Fastfood-Läden fast alles chinesisch. In den Banken arbeiten Wu, Han und Li, nebenan gibt es chinesische Imbisse oder kleine Lebensmittelläden, die von Obst bis Süßigkeiten ungefähr alles im Sortiment haben, was das Schiff aus Shanghai an Bord nehmen konnte.

Bei manchen Geschäften bin ich aber eher skeptisch, ob dort tatsächlich Tiere oder doch Wettschuldner gehäutet wurden.

Zum Glück hat´s Kacheln

Zum Glück hat´s Kacheln

Nein: Natürlich ist das eine Metzgerei und natürlich wird da auch ganz vorschriftsmäßig geschlachtet. Zumindest wurden im gleichen Laden auch ganz vorschriftsmäßig irgendwelche Holzplatten geschliffen. Ob für einen Umbau oder Särge lasse ich mal offen.

Für Fische gibt es übrigens bestimmt auch nettere Orte als die Supermarktfenster in Chinatown:

Smells like team spirit

Smells like team spirit

Aber die Häuser sind super.

Es ist rot

Es ist rot

Und die Geschäfte sind ja irgendwie auch toll. Mario findet es super. High Five:

Werd erwachsen, Mario!

Werd erwachsen, Mario!

Nach so viel Rotlicht braucht eine anständige Motte natürlich erstmal Entspannung. Und wo holt man sich Entspannung und trotzdem viel Licht? Richtig, am Rockefeller-Center.

Dort leuchtet zwar kein Weihnachtsbaum mehr, aber immerhin strahlen rund um die Eisbahn noch genügend Lichter um ein bisschen Kevin-allein-in-New-York Gefühl zu wecken. Obwohl durch meinen Kopf in Endlosschleife das hier gerauscht ist:

Direkt DAH!

Und das sieht ja wirklich so aus:

Und wo sitzt jetzt Jack Donaghy?

Und wo sitzt jetzt Jack Donaghy?

Ich bin da jedenfalls etwas rumgeirrt, bin durch Katakomben geschlichen, auf den Turm draufgefahren (25 Dollar, so expensive) und schlussendlich doch an der Eisfläche angekommen. Darauf tummelten sich viele Touristen, aber auch einige Eishockey-Spieler, die sich darüber freuten, mit ihren dicken Schlittschuhen die Kinder zu erschrecken.

Iceyeis. Darauf: Nicht nur Absolute Beginner

Iceyeis. Darauf: Nicht nur Absolute Beginner

Zwischen all diesem Gewusel passierte dann plötzlich das:

direkt Eistanz: Level Asian

Der Mann trug einen langen, grauen Mantel, ein beiges Barett und eine Sonnenbrille. Ich schätze ihn auf etwa 60 Jahre. Das war einfach mal noch ein bisschen besser als der Blick vom Rockefeller Center auf die Stadt.

Obwohl der auch ganz nett war:

Blinkestadt

Ende der Fahnenstange!

Ohne geht es ja nicht: Das Empire State Building,links, farblich patriotisiert

Ein guter Ort übrigens, um das hier zu hören:

direkt den Frank

Wenn man so entspannt ist – und das war ich nach diesem Wolkenkratzer-Besuch – braucht man wieder blinkende Lichter. Also auf zum Times Square. Da war ich vorher schon ein paar Mal, irgendwie kann man da immer vorbeigehen und sieht irgendwelche lustigen Sachen.

Elmo etwa:

Elmotastisch!

Ich bin dann noch in den M&Ms Store reingestolpert, weil ich wissen wollte, welche Sorten es in den USA denn gibt. Und außerdem geht Schokolade immer! Dieser Laden ist jedoch ein riesiger Marketingquatschstore, in dem man von T-Shirts bis Stickern jeden möglichen Quatsch mit diesen ewig grinsenden Schokolinsen drauf für teure Dollars kaufen kann.

Sowas gibt es da etwa:

Jesses!

Such den Jesus. Toll, bzw. doof.

Ich war also mittel bis vollkommen genervt von diesem Laden, als ich das entdeckte:

HMMs

vielevielebunteSmarties. Nicht.

noM&noMs

Dafür kosten die Dinger aber auch ein halbes Vermögen. Was den durchschnittlichen, leicht adipösen Touristen nicht davon abhält, sich die Tüten vollzustopfen mit allen möglichen Farben. Die Sorten sind gar nicht soooo fantastisch: Es gibt Schoko, dunkle Schokolade, Minz (??) und Brezel (????). Die Crisp-Sorte aus Deutschland habe ich hier noch nicht gefunden.

Ein klitzekleines bisschen musste ich mir aber dann aber auch abwiegen. Die Frau an der Kasse sagte ganz überrascht, dass ich der erste Kunde sei, der keine von den M&Ms-Tüten haben wollte. Ha! Ich Individualist.

Meine Individualität habe ich dann draußen mit ungefähr 1000000 anderen Menschen noch ein bisschen gefeiert. Und bestimmt bin ich auch der Einzige gewesen, der so ein Foto gemacht hat:

Doppelt gut: Its Jess!

Fazit: Nach so viel bunten Blinkekram müsste ich jetzt eigentlich „The Artist“ schauen.

 


Überbrückt

Mario meinte an einem Sonntag, ich müsse die Brooklyn Bridge bewandern. Was will man dem Feuer-Mario da widersprechen? Den Grund hat er mir erst später ins Ohr geflüstert. Er hat was gesucht:

Sorry Mario: Your princess is on another bridge.

Zuerst bin ich mit Mario mal wieder durch Brooklyn gewandert. Quer durchs Fort Greene, einer recht netten Ecke von Brooklyn. In einem Park spielten etwa 20 bunt zusammengewürfelte Gestalten „Soccer“  Fussball. Deren Fähigkeiten sollte ich am darauf folgenden Sonntag kennenlernen. Doch dazu später mehr.

Weil ich fast fastete, reichte mir eine Kefirmilch, Geschmacksrichtung Erdbeere-Banane, als Unterwegssnack. Das fasten kam vor allem daher, dass ich noch nichts im Kühlschrank, und wenig Lust auf alleine-in-ein-Restaurant-setzen hatte. Um diese doch nicht ganz kleine Brücke zu erreichen, brauchte ich gefühlte zwei Stunden – weil ich sie aus Perspektivgründen Schwachsinnigkeit mehrfach mit der  naheliegenden Manhattan-Bridge verwechselt und deshalb ab und zu die Richtung gewechselt habe. Auf meinem Weg passierte ich breite Straßen, in denen sich Kosmetikladen an Elektroladen an Chickenbude an Ramschkrimskrams an Hochzeitskleidergeschäft an Handyladen reihte. Und trotzdem ist das alles sehr schön in Downtown Brooklyn. Kleine Straßen findet man dort auch, mit den typischen Treppen vor den Häusern, und Zäunen, die winzige Betonvorgärten mit Platz für gerade eine Mülltonne abtrennen.

So richtig schön wird es dann, sobald man die Brücke betritt:

Manhattan-Bridge mit Mario

Manhattan-Bridge mit Mario

Das wird noch besser, wenn man die Sonne sinken lässt:

Wo bist du mein Sonnenlicht? Oh, nevermind.

Wo bist du mein Sonnenlicht? Oh, nevermind.

Aussichtsvoll

Aussichtsvoll

Mario > Freiheitsstatue

Mario > Freiheitsstatue

Mario Statue of Liberty

Mario Statue of Liberty

Verhängnisvolle Seilschaften

Verhängnisvolle Seilschaften

Wollte sich eigentlich den Weg freifeuern. War dann glücklicherweise nicht nötig.

Wollte sich eigentlich den Weg freifeuern. War dann glücklicherweise nicht nötig.

Das mit den Schlössern hat sich noch nicht so durchgesetzt

Das mit den Schlössern hat sich noch nicht so durchgesetzt

Mariohattan

...

Schön ist es dort

 


On Broadway

Zum Hauptrundgang empfiehlt der Chef folgenden Ohrenschmaus

Wie die Karte vom vergangenen Eintrag zeigt, bin ich letztlich einfach mal den Broadway vom Süden bis in den Norden abgelaufen – vom Battery Park bis zum Times Square.

Auf der Wall Street habe ich übrigens noch gesehen, wie man Müll like a Patriot-Boss abholt:

Im Battery Park haben sich dann einige Menschen geärgert, dass die Freiheitsdame gar nicht so groß ist. Besonders leid tat mir ein kleiner, rundlicher Junge mit grüner Schaumstoff-Freiheitsstatuen-Krone, der wohl damit gerechnet hat, sie in Wolkenkratzergröße zu sehen. Ist aber eher so:

"Also die Freiheitsstatue habe ich mir echt größer vorgestellt". Danke für diese Info, dickes, deutsches Kind mit grünem Plastik-Liberty-Kranz. Mit meiner Handykamera sieht die Dame aber tatsächlich noch was kleiner aus.

Durch Handykamera und Perspektive möwengleich: Die Freiheitsstatue

Ganz unbeeindruckt vom Gewimmel zeigten sich übrigens die Möwen Möven  Meuwen:

"Einwandererdenkmal? Da scheiß ich drauf!"

"Einwandererdenkmal? Da scheiß ich drauf!"

Etwas weiter nördlich am Broadway bin ich an den letzten Occupy-Besetzern vorbeigekommen, die noch in Lower Manhattan sind. Der besetzte Zuccotti Park wurde schon vor Monaten von der Polizei geräumt, der Protest hat sich in der Stadt verteilt. So wie er sich inzwischen auch im gesamten Land eher lose organisiert. Aktionen starten sie trotzdem immer wieder, vielleicht schaffe ich es ja, mir eine anzusehen.  Als ich vorbeikam, standen am ehemaligen Liberty Plaza Park nur noch zwei Männer: Der eine trug einen Ganzkörperanzug mit Guy Fawkes Anonymous-Maske, und ein Schild mit der Aufschrift: „We won´t leave“ Auf dem Schild des anderen stand: „Get a (blow)-job. Sie haben sich gestritten. Das muss ärgerlich sein, wenn man ohnehin der letzte ist, der dort steht – und dann wird man auch noch getrollt. Und dann auch noch so lieblos. Meistens ist sowas ja wenigstens ganz lustig.

Ich habe dann aber feststellen dürfen, dass es auch zwischen den ganzen Hochhäusern noch andere Fotomotive gibt:

Aber so ein ordentliches Riesenmonstrum darf hier natürlich nicht fehlen. Huihuihui:

Hohes Haus ist hoch

Hohes Haus ist hoch

Noch schöner sehen solche Gebäude übrigens aus, wenn die Sonne drauf scheint:

Das Empire State Building versucht sich zu verstecken. Es gelingt nicht ganz.

Das Empire State Building versucht sich zu verstecken. Es gelingt nicht ganz.

Wär vermutlich ein optimaler Zeitfahrer: Flat Iron Building

Wär vermutlich ein optimaler Zeitfahrer: Flat Iron Building

Vom wunderbaren Herm habe ich übrigens die Idee, mir einen Reisebegleiter zu suchen. Er drückte das bei einem eigenen New-York-Besuch so aus:

 Ich kann das ja immer verstehen wenn Leute in ihrem Urlaub, zum Beispiel in New York, total begeistert sind, alle möglichen Hochhäuser fotografieren und dies dann mit der Welt teilen. Nach Bild 3 finde ich das dann aber meist eher öde, außer man war halt schonmal dort. Daher die Idee der Urlaubsfotoveredlung.

Und wer könnte mich hier besser beschützen begleiten als Feuer-Mario? Eingeschleimt habe ich mich bei ihm, in dem ich ihn erstmal gerettet habe. Fand er gut, das sieht man an der ausgestreckten Bro-Fist:

Rooar.

Das nur als kleiner Vorgeschmack. Mehr folgt. Ein positiver Nebeneffekt: Viele Leute, die mich mit Mario sehen, finden es total geil. Und brüllen mir ein gepflegtes Awesome entgegen. Nur die zwei konnte ich wohl irgendwie nicht überzeugen.

Meh-rio

Meh-rio


Tourimodus aktiviert

Ich habe immer gedacht, ich hätte einen guten Orientierungssinn. Dass ich mich ausgerechnet in einer Stadt voller schachbrettartiger Straßen so richtig verwusele, ist in der Konsequenz nur logisch.

So sah das am Ende meines ersten Tages aus:

So in klein geht es sogar halbwegs. Aber bloß nicht ranzoomen.

Ich bin durch Brooklyn gewandert. Eigentlich wollte ich nach Osten Westen, musste dann aber mit meiner Offline-Karten-App feststellen, dass ich in den Süden des Stadtteils gestromert bin. Losgelaufen bin ich natürlich in der Überzeugung, alles mit meinem integrierten Navi zu finden.

Dafür habe ich meine Hood kennengelernt (Die ich später noch ausführlicher würdigen werde). So bin ich etwa an alten Wahlkampfzentren vorbei gekommen. Change ist dort aber wohl nicht richtig angekommen:

Ich bin auch durch die Library geschlendert, weil bei diesem Portal mindestens mit pharaonengleichen Bibliothekaren mit abgebrochenen Nasen gerechnet habe:

Gold und Säulen wecken den Asterix in mir. Innen war sie aber leider recht unspektakulär. Es gab Bücher. Aber die standen in genauso langweiligen Regalen wie bei uns. Und statt Anubis und Osiris warteten höchstens Ann und Otis da drinnen auf Kundschaft.

Vor der Bibliothek habe ich mir dann bei einem Wochenmarkt mein Mittagessen geholt. Zwei Äpfel. Garantiert organic, sagte mir der Verkäufer. Das ist was besonderes, denn Gentechnik gehört hier eigentlich zum Essen dazu. Die waren also Bio – auch wenn das in den Staaten nicht so viel heißt: So streiten sich gerade in New York vor Gericht etwa 300 000 Farmer mit Monsanto, weil ihre Öko-Saat durch gentechnisch veränderte Pollen verunreinigt wurde. Gleichzeitig befürchten diese Bauern aber, von Monsanto wegen Patentrechtsverletzung verklagt zu werden: Denn sie verkaufen schließlich in gewisser Weise dann Monsanto Äpfel.

Geklärt werden soll das ganze Ende März, doch bestimmt ist schon die nächste Krise im Anzug.

A propos:

Danach habe ich mich das erste Mal ins Finanzzentrum gewagt. Am Wochenende läuft man an der Wall Street aber wirklich nur Touristen über den Weg. Die fotografieren dann beige, stuckverzierte Häuser, vor denen grimmige Wachmänner darauf achten, dass auch keiner die heiligen Gemächer von /hierbeliebigesFinanzinstituteinsetzen/ betritt. Die New York Stock Exchange, die größte Börse der Welt, ist übrigens seit 9/11 nicht mehr für Besucher geöffnet.

Vollkommen planlos bin ich dann einfach nur den Broadway hinaufgeschlendert, ich bin ständig gestolpert, weil sich die Gitter und Hubbel nicht mit meiner offenmundig-hochnasigen-stauneblick-Fortbewegung durch die Hochhäuser und seine Schluchten vertragen hat.

Der Dreizehnjährige in meinem Kleinhirn war aber hellwach. Ding-Dong: 

So long. Sincerely, Your Johnson.